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Seit 60 Jahren ist die TelefonSeelsorge Dortmund eine Anlaufstelle für Menschen in Krisen. Was 1965 mit dem ersten Anruf begann, ist heute ein modernes, ökumenisches Hilfsangebot – erreichbar per Telefon, Chat und Mail.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts begann eine Bewegung, deren Ziel es war, Menschen vor dem Suizid zu bewahren. Um ein leitender Ansprechpartner sein zu können, annoncierte 1953 ein evangelischer Pfarrer in London seine Telefonnummer. In Deutschland gab es drei Jahre später die erste telefonische „Lebensmüdenbetreuung“ durch einen Pfarrer und Arzt in Berlin. Obwohl damals gerade mal zehn Prozent der Deutschen ein Telefon besaßen, wurde das Angebot durchaus genutzt.

In der Folge begannen die Kirchen vielerorts, eigene Hilfstelefone einzurichten. 1965 ging in Dortmund der erste Anruf bei der TelefonSeelsorge ein – der Beginn einer bis heute kontinuierlich wachsenden und sich weiter entwickelnden Einrichtung. Inzwischen ist der Kontakt nicht nur per Telefon, sondern auch per Chat und Mail möglich.

Viele fühlen sich einsam

Einsamkeit ist ein großes Problem. „Oft sind wir die ersten Menschen an dem Tag, mit denen die Anrufenden reden. Schon allein, eine menschliche Stimme zu hören, tut ihnen gut“, sagt Regina Reiffenberg, die Leiterin der TelefonSeelsorge Dortmund, einer Einrichtung des Evangelischen Kirchenkreises. „Und unter Einsamkeit leiden nicht nur ältere Menschen“, weiß die Sozialpädagogin und Systemische Beraterin. Auch jüngere Menschen hätten (trotz etlicher Kommunikationsmöglichkeiten) oft das Gefühl, mit niemandem „richtig“ reden zu können.

Wer bei der TelefonSeelsorge anruft, der spricht mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Regina Reiffenberg und ihre katholische Kollegin Dorina Madrold beraten und begleiten die etwa 80 Frauen und Männer, die durch eine fundierte nebenberufliche Ausbildung zu versierten Ansprechpersonen für Menschen in Not geworden sind. Wer jemanden zum Reden braucht, der sollte also keine Hemmungen haben und einfach zum Hörer, bzw. zum Handy greifen. Kostenlos und anonym.

„Unsere Ehrenamtlichen sind gute Zuhörer, die Menschen offen begegnen“, sagt Regina Reiffenberg. Vielen Anrufenden helfe es schon, das eigene Problem einfach mal zu formulieren. So könnten sie etwas Abstand gewinnen und Auswege besser erkennen. „Dasselbe gilt für familiäre oder Beziehungsprobleme. Man berichtet jemandem davon, der außerhalb des Systems steht. Das weitet den Blick.“

Dortmund, Lünen, Selm, Bergkamen, Fröndenberg, Unna und Holzwickede – so groß ist das Zuständigkeitsgebiet. Sollten alle Leitungen belegt sein, wird zur Telefonseelsorge in eine andere Stadt umgeleitet. Seit 1997 gibt es bundesweit einheitliche Telefonnummern: Die 0800 111 0 111 – und die 0800 111 0 222.

Ökumenische Leitung

Seit Anfang der 80er-Jahre ist auch die katholische Kirche mit dabei, sodass die TelefonSeelsorge seitdem ökumenisch geleitet wird. Die Einrichtung ist gut vernetzt; kann auf die Beratungsstellen der Kirchen und anderer Träger verweisen. Seit 1996 unterstützt ein lokaler „Freundes- und Förderkreis“ die TelefonSeelsorge finanziell und unterstützt Ehrenamtliche bei der Teilnahme an internationalen Kongressen und Fortbildungen.

Kraft für die Leitung

TelefonSeelsorge zieht Regina Reiffenberg unter anderem aus ihrem persönlichen Glauben, dem durch ihn fühlt sich „getragen, geliebt und gesehen“. Für die ehrenamtliche Mitarbeit ist ein persönlicher Glaube oder eine Kirchenmitgliedschaft jedoch keine Voraussetzung – wer sich für diese sinnstiftende Tätigkeit in einer tragenden und wohltuenden Gemeinschaft interessiert, kann sich über www.telefonseelsorge-dortmund.de informieren.

Die TelefonSeelsorge ist vielen Menschen eine große Stütze, denn: Krisen gehören zum Leben – und reden hilft.

V.l.n.r.: Michael Vogt (stellvertr. Stadtdechant), Dorina Machold (hauptamtl. Mitarbeiterin), Regina Reiffenberg (Leitung), Michael Stache (stellvertr. Superintendent), Vorne: Brigitte Schuster (Ehrenamtsvorsitzende)

Prof. Dr. Stefan Alkier (ev. Theologe / Professor Goethe-Universität Frankfurt)

Grußwort von Astrid Cramer – Bezirksbürgermeisterin

Jazz-Trio

Hauptamtliches Team der TS Dortmund
V.l.n.r.: Dorina Machold, Regina Reiffenberg (Leitung), Katrin Ostermann (Verwaltungsmitarbeitende)

Prof. Dr. Stefan Alkier (ev. Theologe / Professor Goethe-Universität Frankfurt)

Grußwort von Astrid Cramer – Bezirksbürgermeisterin

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