The human touch – übersetzt der Faktor Mensch oder auch die Kraft der menschlichen Präsenz. Besser hätte der Titel des Kongresses des europäischen Dachverbandes der Telefonseelsorge kaum ausgewählt werden können, der am Sonntag in Budapest zu Ende gegangen ist. Denn wir leben in Zeiten, in denen KI (künstliche Intelligenz) immer mehr Lebensbereiche erfasst und auch vor unserer Arbeit am Telefon sowie per Mail und Chat nicht mehr haltmacht. Aber was kann KI und was soll KI künftig dürfen? Diese Frage wird schon bald zu klären sein.
Wir acht Vertreter der TS Dortmund, die sich am 7. Juli per Direktflug ab Dortmund nach Budapest aufmachten, waren also sehr gespannt, was auf uns zukommen würde – und wir wurden nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Das galt sowohl für die Tagung selbst, die Organisation, Vorträge und Workshops als auch für Besichtigungstouren zu Fuß oder per Straßenbahn durch die äußerst sehenswerte ungarische Hauptstadt mit ihrem immer noch vorhandenen bezaubernden k. u. k.-Charme.
Was blieb hängen neben der Schönheit der Stadt? Der kroatische Hirnforscher Damir del Monte trug seine komplexen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kommunikation so temperamentvoll und mit derartigen Entertainer-Qualitäten vor, dass es Spaß machte zuzuhören. Und sein israelischer Kollege Daniel Dor vertrat von der linguistischen Seite die These, 70 Prozent der Alltagskommunikation von Menschen werde darauf verwendet, Missverständnisse zu klären, die sich im Laufe des Gesprächs ergeben haben … Wie gut, dass wir bei der TS arbeiten können, wo so etwas selten passiert …
Das wissenschaftliche Komitee von IFOTES hat in seiner Kongress-Broschüre die Fragen aufgelistet, die uns als TS-Mitarbeiter in näherer Zukunft beschäftigen werden: Was ist real, was ist virtuell? Ist KI bereits so weit entwickelt, dass sie wesentliche menschliche Beziehungen ersetzen kann? Kann sie Menschen, die leiden, trauern oder einsam sind, wirkliche Entlastung und Trost bieten, kann sie menschliche Präsenz, Mitgefühl und Empathie ersetzen?
„KI kann die Menschen der Telefondienste nicht ersetzen. Sie kann aber entlasten, bei der Qualitätssicherung behilflich sein und rund um die Uhr eingesetzt werden. Aber kann KI zwischen den Zeilen lesen, sensible Zusammenhänge verstehen und angemessen reagieren? Irgendwann vielleicht …“
Sonja Karrer
scheidende IFOTES-Präsidentin
Wir waren uns als Teilnehmer aus Dortmund einig, dass die Tage in Budapest neben den vielen Eindrücken und den fachlichen Impulsen auch das Zusammenwachsen unserer Gruppe gefördert haben. Die gemeinsamen Tage haben nicht nur den fachlichen Austausch gefördert, sondern auch die Gelegenheit geboten, sich untereinander besser kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen.
Der nächste IFOTES-Kongress soll in drei Jahren stattfinden. Wo, ist noch nicht bekannt. Vielleicht haben ja weitere Ehrenamtliche Lust, sich anzuschließen.
Die Kraft des Da-Seins.
Vielleicht sehen wir uns beim nächsten IFOTES-Kongress.